Casa Batlló
Die Casa Batlló in Barcelona zählt zu den bedeutendsten Werken Antoni Gaudís und gehört zu den herausragendsten Projekten seiner schöpferischen Reifezeit. Der Auftrag des Textilunternehmers Josep Batlló bestand in der umfassenden Umgestaltung eines Wohngebäudes zwischen zwei Nachbarhäusern mit dem Ziel, daraus ein modernes, funktionales und repräsentatives Gebäude zu schaffen. Die Casa Batlló befindet sich am Passeig de Gràcia, der Prachtstraße, die das Viertel L'Eixample durchzieht, und zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Barcelonas sowie zu den bedeutendsten Beispielen der Architektur Gaudís.
Geschichte der Casa Batlló
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte sich der Passeig de Gràcia in Barcelona zum Schaufenster des wohlhabenden Bürgertums entwickelt, das dort prachtvolle Residenzen errichten ließ, entworfen von den bedeutendsten Architekten der Zeit. In diesem Zusammenhang erwarb der angesehene Textilunternehmer Josep Batlló das Gebäude und beauftragte Gaudí mit einer umfassenden Umgestaltung, wobei er ihm völlige gestalterische Freiheit gewährte, um das Ansehen der Familie und alle Innovationen des katalanischen Modernisme zum Ausdruck zu bringen.
Gaudí gestaltete das Gebäude grundlegend um und veränderte sowohl seine innere Struktur und funktionale Raumaufteilung als auch sein äußeres Erscheinungsbild. Die Arbeiten umfassten den Rückbau der Fassade bis zum dritten Obergeschoss, den Anbau von zwei weiteren Etagen und einer Dachterrasse sowie eine vollständige Neuorganisation der Innenräume. Die Beletage der Casa Batlló, die als Wohnsitz der Familie diente, ist der eindrucksvollste Bereich des Gebäudes. Sie zeichnet sich durch eine von organisch geformten Säulen getragene Galerie aus, die an Knochenstrukturen erinnert, sowie durch große Fenster, die reichlich Tageslicht hereinlassen.
Das Innere der Casa Batlló
Das Innere der Casa Batlló spiegelt Gaudís Bestreben wider, Architektur, Design und Funktionalität miteinander zu verbinden. Einer der zentralen Aspekte des Projekts ist seine Forschung zu Licht und Belüftung. Gaudí vereinte die beiden vorhandenen Innenhöfe zu einem einzigen und platzierte dort das Haupttreppenhaus. Die Wände des Innenhofs sind mit Keramikfliesen in Farbverläufen verkleidet – oben dunkler und unten heller –, um den Lichteinfall und die Lichtreflexion optimal zu regulieren. Darüber hinaus werden die Fenster in den oberen Stockwerken schrittweise kleiner, wodurch auf allen Ebenen eine gleichmäßige Beleuchtung gewährleistet wird.
In der Beletage der Casa Batlló integrierte Gaudí ein unteres Belüftungssystem mit vertikalen Öffnungen, die durch Holzgitter geschützt sind und den Luftaustausch ermöglichen, ohne die Fenster vollständig öffnen zu müssen.
Die Symbolik der Fassade
Die Fassade der Casa Batlló zeichnet sich durch ihre Verkleidung aus Keramik- und Glasfragmenten in der Trencadís-Technik aus, die dem Gebäude seine markante Farbigkeit und Dynamik verleiht. Die eisernen Balkone, industriell gefertigt, aber von großer formaler Ausdruckskraft, verstärken den Eindruck organischer Bewegung.
Abgerundet wird die Umgestaltung durch ein Dachgeschoss für gemeinschaftliche Nutzungen, das mit parabelförmigen Bögen errichtet wurde, sowie durch eine Dachterrasse mit vier Gruppen von Schornsteinen, die mit farbigem Trencadís und floralen Motiven verziert sind. Diese architektonischen und dekorativen Lösungen machen die Casa Batlló zu einem Schlüsselwerk aus Gaudís Schaffensperiode unmittelbar vor dem Bau der La Pedrera – Casa Milà.
Obwohl Gaudí die Symbolik der Fassade niemals offiziell erläuterte, wird sie seit jeher mit der Legende des heiligen Georg, des Schutzpatrons Kataloniens, in Verbindung gebracht. Dieser Deutung zufolge stellt das farbenfrohe Dach den Rücken des Drachen dar, während das vierarmige Kreuz das Schwert des Heiligen symbolisiert. Auch die charakteristischen Balkone werden häufig als Masken oder Totenschädel interpretiert, die Säulen als Knochen.
Die Casa Batlló im Kontext des Modernisme in Barcelona
Die Casa Batlló ist Teil des sogenannten „Blocks der Zwietracht“, eines Ensembles modernistischer Gebäude am Passeig de Gràcia, zu dem auch die Casa Amatller und die Casa Lleó Morera gehören und das die Vielfalt und den Reichtum des katalanischen Modernisme eindrucksvoll veranschaulicht.
Die architektonische und künstlerische Einzigartigkeit der Casa Batlló führte 1969 zu ihrer Einstufung als historisch-künstlerisches Denkmal (BCIN) und 2005 zur Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste als Teil der „Werke von Antoni Gaudí“.