Park Güll

Der Park Güell zählt zu den reifen Werken Antoni Gaudís und ist eines der herausragendsten Beispiele modernistischer Architektur in Barcelona. Er wurde im Norden der Stadt im Auftrag des Unternehmers Eusebi Güell entworfen und war ursprünglich als private Wohnanlage konzipiert, wurde jedoch schließlich in einen öffentlichen Park umgewandelt, eine Funktion, die er bis heute erfüllt.

Die Anlage erstreckt sich über eine Fläche von etwa 15 Hektar und bildet eine außergewöhnliche Verbindung von Architektur, Ingenieurskunst, Natur und künstlerischer Ausdruckskraft. Der Park Güell wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und zählt zu den meistbesuchten Bauwerken Gaudís in Barcelona.

Baujahr
1900 - 1914
Standort
Carrer d’Olot, s/n, Barcelona

Geschichte des Park Güell

Das ursprüngliche Konzept des Park Güell sah den Bau von sechzig Grundstücken mit freistehenden Wohnhäusern und Gärten vor. Zwar wurden letztlich nur zwei der geplanten Häuser errichtet, doch die bedeutendsten von Gaudí gestalteten Gemeinschaftsbereiche sind bis heute erhalten geblieben: die Eingangspavillons, die monumentale Treppe, der Säulensaal sowie der Platz mit der berühmten geschwungenen Trencadís-Bank.

Güell war einer der bedeutendsten Förderer Gaudís und ermöglichte die Verwirklichung einiger seiner innovativsten Ideen. Aus ihrer engen Zusammenarbeit gingen weitere bedeutende Bauwerke des Architekten hervor, darunter der Palau Güell und die Krypta der Colònia Güell.

Da das Projekt nicht den erhofften Erfolg hatte, wurden die Bauarbeiten 1914 eingestellt. Nach dem Tod von Eusebi Güell im Jahr 1918 erwarb die Stadt Barcelona das Gelände und eröffnete es 1923 als öffentlichen Stadtpark.

1969 wurde der Park Güell zum historisch-künstlerischen Denkmal (BCIN) erklärt und 1984 als Teil des Gesamtwerks von Gaudí in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

Die Architektur des Park Güell

Der Haupteingang des Park Güell wird von zwei organisch geformten Pavillons eingerahmt, deren Fassaden mit polychromem keramischem Trencadís verkleidet sind. Einer der Pavillons diente als Pförtnerhaus und trägt eine pilzförmige Kuppel, während der andere von einem Turm mit einem vierarmigen Kreuz gekrönt wird – einem charakteristischen Motiv in Gaudís Architektur, das sich auch am Torre Bellesguard wiederfindet.

Die monumentale Treppe führt zum bedeutendsten architektonischen Raum des Parks, dem Säulensaal, der ursprünglich als Markthalle der Wohnsiedlung geplant war. Er besteht aus 86 neodorischen Säulen, in die ein ausgeklügeltes System zur Sammlung und Ableitung von Regenwasser in eine unterirdische Zisterne integriert ist. Besonders bekannt ist die berühmte Mosaikechse, die als Überlauf der Zisterne dient und heute zu den bekanntesten Symbolen des Park Güell und Barcelonas zählt.

Der Naturplatz im Park Güell

Der Naturplatz liegt oberhalb des Säulensaals und war als zentraler Treffpunkt für die Bewohner der geplanten Wohnsiedlung konzipiert. Eingerahmt wird er von der berühmten geschwungenen Trencadís-Bank, die aus vorgefertigten Modulen besteht und mit ihrer ergonomisch geformten Rückenlehne den Konturen des menschlichen Körpers folgt.

Die Bank ist mit polychromem keramischem Trencadís verkleidet und entstand in Zusammenarbeit mit Josep Maria Jujol. Ihre freie und ausdrucksstarke Gestaltung schafft ein faszinierendes Spiel aus Farben und Formen. Der sandige Belag des Platzes lässt Regenwasser in die darunterliegende Zisterne versickern und verbindet so Funktionalität mit einem nachhaltigen Wassermanagement.

Natur und Landschaft im Park Güell

Bei der Gestaltung des Park Güell untersuchte Gaudí sorgfältig die Topografie des Hügels und entwarf ein System aus Viadukten und Wegen, das sich dem Gelände und der vorhandenen Vegetation anpasst. Dadurch entstand eine harmonische Verbindung von Architektur und Landschaft. In den Viadukten verwendete Gaudí geneigte Säulen, eine Lösung, die er später auch in der Krypta der Colònia Güell einsetzte.

Gleichzeitig widmete er sich intensiv der Landschaftsgestaltung, indem er die einheimische Vegetation bewahrte und mediterrane Pflanzen wie Johannisbrotbäume, Palmen, Glyzinien und Rosmarin integrierte, wodurch sich der Park harmonisch in seine natürliche Umgebung einfügt.

1906 erwarb Gaudí das Musterhaus des Park Güell, das 1902 von seinem Freund und Mitarbeiter Francesc Berenguer als Modellhaus für das Wohnprojekt errichtet worden war. Dort lebte Gaudí gemeinsam mit seinem Vater und seiner Nichte und erlebte die Entwicklung des Parks aus nächster Nähe. Heute befindet sich in diesem Gebäude das Gaudí-Haus-Museum, in dem Möbel, persönliche Gegenstände und vom Architekten entworfene Stücke ausgestellt sind. Das Museum vermittelt einen Einblick in das Leben Gaudís während der zwanzig Jahre, die er hier verbrachte und in denen er an einigen seiner bedeutendsten Werke arbeitete, darunter die Casa Milà und die Sagrada Família.

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